Europäischer Fernwanderweg 5 (Alpenüberquerung per pedes) 22. bis 28 August 2004
Vielleicht hat der ein oder andere schon vom E5 (Europäischer Fernwanderweg 5) gehört, er reicht vom Bodensee bis zur Adria.
Wir entschieden uns, das Teilstück von Oberstdorf bis nach Moos (Italien, Südtirol) zu gehen, deshalb kann man die Tour
einerseits als 3-Länder-Tour bezeichnen oder Alpenüberquerung wie zu Hannibals Zeiten.
Am ersten Tag (Sonntag, 22. August) brachte uns die geliebte Deutsche Bahn (sogar fast pünktlich, nur 1 Minute zu spät, um vielleicht Überstunden schreiben zu können ;)
am Bahnhof in Oberstdorf an.
Gleich nachdem wir die Bahnhofhalle verlassen hatten, bat man uns einen Taxibus bis nach Spielmannsau an (ca. 10 km). Wir lehnten natürlich dankend ab.
Kurze Orientierung, ziemlich einfach - die Sonne steht um 12 Uhr in Süden und dann trabten wir einfach so los Richtung Kemptner Hütte (1844 m).
Nach Spielmannsau nach ca. 1,5 Stunden Gehzeit gings endlich mit dem Aufstieg los. Schönes Wetter - Sonnenschein. Schleunigst machte sich der 17 Kilo-Rucksack bemerkbar und die über tausend Höhenmeter
lügten auch nicht. Nichtsdestotrotz erreichten wir die Kemptner Hütte, die trotz der 300 Schlafplätze schopn ziemlich ausgelastet war.
Wir realisierten gleich, dass neben uns auch 3 Gruppen mir Bergführer (die E5 Tour kann man mittlerweile auch buchen...) unterwegs waren (Im Folgenden auch als "Oase" oder "Lemminge" bezeichnet), was wir nicht so begrüßten,
frei nach dem Motto - kein Kommerz in den Alpen/Bergen - da diese fortan bevorzugt wurde bei Schlafplätzen, Sitzplätzen, Essen, usw..
Da aber die Kemptner Hütte doch größeren Anstürmen gewachsen ist, war das zu diesem Zeitpunkt eher kein Problem, nach einem Abendseidl und kurzen Lagecheck um die Kemptner Hütte war dann langsam der Zapfenstreich erreicht und man suchte das Matrazenlager auf.
Am Tag 2 gings nach dem Frühstück weiter Richtung Memminger Hütte. Erst mal rauf aufs "Obere Mädelejoch" (knapp 2000m), hier erreicht man dann schon die deutsche Staatsgrenze. Von hier gehts dann runter Richtung Holzgau, ca. 1000 Höhenmeter im Abstieg. Dann gehts weiter durchs
Madautal Richtung Parkplatz Materialseilbahn der Memminger Hütte. Die meisten anderen Wanderer haben von einem Taxibus Holzgau-Parkplatz Gebrauch gemacht. Natürlich haben wir dieses Stück (10-15 km!) auch zu Fuß in Angriff genommen. Es hatte zwar einen kelinen Foltercharakter auf Grund
ständiger Teerwege und ständigen grinsenden vorbeifahrenden Lemmingen, aber von der Landschaft her ist es doch schön gewesen. Nachdem wir den Parkplatz bei der Materialseilbahn erreicht hatten gings an den über 1000 Meter Aufstieg.
Da das Wetter noch mitspielte und auch die Landschaft eine Augenweide war (Wasserfälle, schönste Vegetation) war es zwar einer der anstrengensten aber auch mit der beste Anstieg der Tour.
Um ca. halb 7 kam dann endlich die Memminger Hütte zum Vorschein. Die Enttäuschung folgte leider gleich darauf, es gab nur noch Notlager (trotz Reservierung!), was anscheinend an den 3 Oasen lag, die nichtmal den ganzen Weg gegangen waren und deren Rucksäcke hochbefördert wurden!
Trotzdem ließen wir unsere gute Laune nicht verderben und schliefen halt mal auf den Wirtsstubenboden.
Tag 3: Memminger Hütte - Zams.
Um halb 6 wurden wir geweckt, damit die Lemminge auch schön frühstücken können, wenigstens kamen wir dann mal sehr rechtzeitig los.
Erstmal gings rauf auf knapp 2600 Meter und langsam schlug das Wetter um Richtung Regen, wenigstens hatte man aber noch etwas Aussicht. Dann folgt gleich ein Gewaltabstieg von 1800 Meter gen Zams, der, getrübt vom Regen doch gscheit auf die "Haxn" ging. Patschnass kamen wir dann gegen halb 3 in Zams an und
fanden nach kurzer Suche eine schöne Unterkunft (Frau Kurz, nur 17 Euro inkl. Frühstück), ein gutes Abendessen beim Schmid und einige Forster-Dosen aufm Zimmer hebte dann die Laune doch wieder um einiges.
Am vierten Tag gings dann Richtung Braunschweiger Hütte. Mit der Seilbahn gings auf den Krahberg (2208m), von dort gings aufs Wonnejöchl (2497m), dann aufs Kreuzjoch (2464m) wovon man eine spitzen Aussicht HÄTTE, SIchtweite war bei uns 25 Meter. Nun folgte wieder ein Folterabstieg nach Wenns (1400 Meter),
der ziemlich schnell gehen musste, weil in Wenns ein Bus um 13:15 nach Mittelberg fährt, die Talwanderung wäre ziemlich langweilig gewesen. um 12:40 erreichten wir dann (als erster ;) die Haltestelle, die sich langsam mit anderen Wanderern und Lemmingen füllte. Doch in den Bus passten dann doch alle rein, ungefähr eine Stunde später
erreichten wir Mittelberg (1700m). Von hier gings rauf auf die Braunschweiger Hütte (2759 Meter), mal wieder über 1000 Höhenmeter. Das Wetter wurde dann doch besser, manchmal hatte man tolle Aussichten, leider reichte es selten
für ein Photo. Gegen halb 6 erreichten wir dann die Hütte, die direkt am Gletscher liegt, der natürlich eine gigantische Faszination auf uns ausübte ;)
Welch Wunder - unsere Reservierung hat geklappt, wir bekamen ein schönes Vierer-Matrazenlager, es hieß zwar Trockenraum, aber das macht ja nix.
Sogar ein Platz zum Abendessen war dann drin, an den man mit anderen Wanderern Erfahrungen austauschte und sich gegenseitig den ein oder anderen Marillenschnaps spendierte.
Tag 5: Nachdem ich in der Nacht das Fenster geschlossen habe, weil es mich dauernd ins Gesicht regnete, stellte ich erstaunt fest, dass ca. 20 cm Schnee lag. Und es schneite weiter. Nach dem 8 Euro Frühstück gings dann los auf 2995 Meter (Pitztaler Jöchl), wovon man bestimmt eine großartige Aussicht gehabt HÄTTE. Bei uns lag auf der Höhe mindestens ein halber Meter Schnee,
der Wind war ziemlich stark und die Sicht konnte man auch vergessen, aber irgendwie wars trotzdem cool.
Nachdem man die 2995m erreicht hat, gings wieder runter durchs Ötztaler Skigebiet, im Sommer schaut sowas ziemlich - scheisse - aus. Wegen dem Schnee und weiter unten Regen wars eigentlich ein ziemlich nerviger -immerhin 1600 Meter- Abstieg war. Aber nachdem sich das Wetter wieder besserte bei ca. 2000 Metern, gings dann doch.
Wir bekammen wieder eine schöne Unterkunft (am Mühlroan, 20 Euro) direkt am E5.
Nun folgte der Tag 6. Von Zwieselstein nach Moos, für uns die letzte Etappe, da wir den 7. Tag zur langen Heimreise brauchten. Es ging rauf Richtung Timmelsjoch (2509 Meter), mal wieder ein 1100 Meter Aufstieg. Es ging immer an einem schönen Bächlein entlang und die Passstraße hatte man auch immer im Auge. Die Sicht war an diesem Tag wieder einwandfrei, was doch etwas an Entschädigung war.
Gegen Mittag erreichten wir dann das Timmelsjoch, direkt an der italienischen Grenze, wo wir dann eine kurze Photosession einlegten. Der Abstieg ging dann vorbei an Kühen, die anscheinend nicht so viele Kuhfladen hinterlassen wie österreichische, aber anscheinend einen ziemlichen Fortpflanzungsdrang hatten. Dann gings 2-3 Kilometer auf einer Straße weiter, von dort durch einen Waldweg, von wo aus wir den
Bau eines Wasserkraftwerkes beobachteten. Dann gings durch Rabenstein, das schönste Dörflein, das ich je gesehen habe, lag vielleicht auch am schönen Wetter, aber auch an der wunderbaren Hanglage.
Von dort gings dann stetig an einen Fluss vorbei Richtung Moos, wo wir dann wieder auf bekannte Wanderer trafen und im Cafe Maria noch eine Unterkunft bekamen. Mit Pizza und Kalterer Wein wure dann der Abend zum Abschluss gebracht.
Am 7. Tag gings dann um 7.35 per Bus nach Meran und von dort mit der Bahn wieder Richtung Heimat, die Heimreise dauerte immerhin ca. 11 Stunden.
Summa summarum: 12000 Höhenmeter, Wegstrecke grob geschätzt über 120 km und nicht zu verachten: ein 17 Kilo Rucksack, an den man sich aber nach 3-4 Tagen gewöhnt hat ;)
In der Galerie gibts über 100 Photos von der Tour!
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Fazit: Alles in allem sehr empfehlenswerte Tour. Leider wird der Weg (zumindest zu unserer Gehzeit) von Gruppen mit Bergführern stark begangen, was
fast schon zu kommerzmäßig ist. Nichts gegen die Teilnehmer, aber in den Alpen sollte auf solche Weise kein Geld verdient werden, der Weg auf eigene Faust ist sowieso um einiges schöner als wenn man sich von irgendeinen Bergführer durchlotsen lässt
und 600 oder 700 Euro dafür bezahlt. Es macht irgendwie keinen Spaß auf total überfüllte Hütten zu kommen oder an der Bushaltestelle hoffen zu müssen, dass man noch in einen Bus reinkommt. Es reicht schon, wenn die Berge durch Skigebiete stellenweise missbraucht werden
(was wir leider meistens selbst unterstützen...).